Jahr Ereignis  
6.000.000 Die ersten Menschenartigen treten in Zentralafrika auf. Natürlich nackt.  
2.500.000 Die ältesten Steingeräte markieren den Beginn der Steinzeit.  
2.000.000 Der Homo erectus tritt auf. Schon für seine frühesten Vertreter ist der Gebrauch von Steingerät nachgewiesen, spätere Individuen nutzten auch das Feuer.  
1.500.000 Der Homo erectus war so anpassungsfähig, dass er sich von Afrika über Vorderasien einerseits nach Indien, ins heutige China (Peking-Mensch) und nach Südostasien (Java-Mensch) ausbreiten konnte, andererseits nach Süd- und Mitteleuropa (Out-of-Africa-Theorie). Die späten Vertreter von Homo erectus - sie werden jedoch häufig zu Homo heidelbergensis gestellt - können bereits als Jäger und Sammler bezeichnet werden, da im Braunkohletagebau Schöningen im Landkreis Helmstedt acht hölzerne, mindestens 270.000 Jahre alte Wurfspeere (die Schöninger Speere) entdeckt wurden.
500.000 In Europa entwickelte sich aus Homo erectus über die Homo heidelbergensis und Homo steinheimensis genannten Zwischenstufen der Neandertaler, eine an die spezifischen Umweltbedingen der Eiszeit hervorragend angepasste Art der Gattung Homo. Die Neandertaler stellen sich heute (entgegen früheren Annahmen) als kulturell entwickelt dar: Bei ihnen sind in Mitteleuropa zum ersten Mal kultische Praktiken nachweisbar, so sind zum Beispiel Bestattungen mit Grabbeigaben belegt (z. B. La Ferrassie). Die Neandertaler entwickelten eine Technik der Steinbearbeitung, bei der nicht mehr nur Kerne aus Feuerstein, Quarzit oder anderen Gesteinen zu Werkzeugen modifiziert wurden, sondern auch die scharfkantigen Abschläge weiterbearbeitet wurden. Ein spezieller Fall der Bearbeitung sogenannter "präformierter" Kerne ist die Levalloistechnik.  
160.000 Erstes Auftreten des Homo sapiens in Afrika. Um 100.000 erreichte der moderne Mensch den östlichen Mittelmeerraum, vor 70.000 Jahren Südostasien.  
100.000 Die Ethnologie geht davon aus, dass etwa um diese Zeit die "Körperscham", die "sexuelle Handlungsscham" und daraus dann die "Genitalscham" entstand und die Menschen begannen, sich für die Tätigkeiten der Ausscheidung und der sexuellen Vereinigung von der Gemeinschaft abzusondern. Im Lauf der nächsten 95.000 Jahre setzte sich dann in den meisten Gesellschaften langsam durch, sich die Genital- und Analzone zu bedecken.  
33.000 Älteste Kunstgegenstände wie die Venus von Willendorf und Höhlenbildnisse der Chauvet-Höhle belegen die künstlerische Kreativität der Gattung homo sapiens.
28.000 Die menschliche Art der Neandertaler stirbt aus. Einer Theorie zufolge deshalb, weil sein intellektuelles und handwerkliches Geschick ihm nicht erlaubte, die mehrschichtige Bekleidung zu erfinden - während der Eiszeiten eine Notwendigkeit zum Überleben. Die Gene der heute lebenden Menschen gehen zwischen 0,5 und 2% auf das Genom des Neandertalers zurück. Das bedeutet, dass es zwischen dem Neandertaler und dem homo sapiens vielfältige Vermischungen gegeben haben muss.  
10.000 Von Indien aus verbreitet sich innerhalb einiger Jahrhunderte die Erkenntnis, dass das männliche Sperma Ursprung für die Leibesfrucht der Frau ist. Weltweit wird nachfolgend der Phallus neues Sinnbild der Fruchtbarkeit und Gegenstand religiöser Verehrung. Als Folge werden die bis dahin überwiegend matriarchalischen Gesellschaftsformen nach und nach durch patriarchalische abgelöst.
4.000 Für das "Alte Reich" Ägyptens (ca. 4500 v.Chr,) ist gesichert, dass die Menschen im Alltag normalerweise nackt liefen. Ausgenommen waren nur Leute von höherem Stand wie die Beamten des Pharao, die den ganzen Tag ihren Schurz feucht schwitzten statt zu arbeiten. Dasselbe gilt für die gleichzeitgen Kulturen im Zweistromland: Die Oberschicht kleidete sich, das normale Volk lebte oft kleiderfrei. Erst in den nachfolgenden Jahrtausenden wurde dann Kleidung Schritt für Schritt zum Allgemeingut.  
1.600 Eine der letzten, großen matriarchalischen Gesellschaften, das minoische Reich auf Kreta, geht nach einem katastrophalen Tsunami unter.  
um 1.200 Die Hose wird erfunden. Zur selben Zeit, als die ersten Reiter-Krieger in den osteuropäischen Steppen auftauchten, entstand die Beinkleidung. Die wahrscheinlich älteste Hose der Welt wurde zusammen mit Zaumzeug in einem Grab in China gefunden. Die Hose besitzt einen weiten Schritt und erlaubt daher ein weites Spreizen der Beine, wie es für Reiter vonnöten ist. Dies machte den wesentlichen Vorteil gegenüber dem bis dato üblichen, umgeschlungenen Schurz aus, der die Beweglichkeit der Beine deutlich einschränkte.
um 750 In Sparta setzt sich durch, beim Sport nackt zu sein. Dies betrifft zunächst nur die Jungen, kurze Zeit später auch die Mädchen. Allerdings gab es nur getrenntes Training für Mädchen und Jungen.
720 Bei den Olympischen Spielen wird der Schurz als (bis dahin einziges) Bekleidungsstück der Athleten abgeschafft. Die Athleten traten von jetzt an nur noch mit völlig nacktem Körper zum Wettkampf an (außer beim Pferderennen). Auch die Isthmischen Spiele (in Korinth) und die Pythischen Spiele (in Delphi) wurden bald nackt ausgetragen.  
um 600 Das Gymnasion wird in Athen zur etablierten Einrichtung zum sportlichen Training und Ausübung insbesondere des Ringkampfs. Das Training erfolgte natürlich nackt. Das Gymnasion lag meist in unmittelbarer Nachbarschaft zur Palaistra, dem Treffpunkt für geistig-philosophische Schulung.  
567 Mahavira entschließt sich im Alter von 32 Jahren, alle Kleidung abzulegen und als nackter Asket umherzuwandern. Zwölf Jahre dauerte dieses Wanderleben, und die Texte schildern in lebhaften Farben die Widrigkeiten der Witterung und die Anfeindungen der Menschen. Nach 12 Jahren erreichte er die Allwissenheit und lehrte forthin die von ihm gegründete Religion des Jainismus. Die Digambaras, die "luftgekleideten" Mönche im Süden Indiens leben ihrem Religionsgründer entsprechend noch heute traditionell unbekleidet.
326 Alexander der Große trifft bei seinem Indien-Feldzug auf eine Gruppe von Gymnosophisten - nackten Philosophen, die das Streben der Menschen nach Reichtum und Luxus für die Quelle alles irdischen Übels hielten und daher selbst allen Gütern entsagten, eben auch Kleidern.  
um 150 In Rom werden die ersten Thermen errichtet. Die Nutzung erfolgt nach Geschlechtern getrennt. Männer badeten nackt, Frauen trugen zumindest in Rom eine Art Bikini (Slip und Brust-Schal).  
6 v.C. Geburtsjahr des Jesus von Nazareth.  
um 30 n.C. Jesus wird zusammen mit 2 Verbrechern nackt gekreuzigt und stirbt am Kreuz.
um 150 In den Thermen Roms setzt sich die gemeinsame, nackte Nutzung durch beide Geschlechter durch.  
393 Flavius Theodosius I. (347-395), christlicher Kaiser im oströmischen Reich, schafft die panhellenischen Olympischen Spiele, das Orakel von Delphi, die Mysterien von Eleusis und zahlreiche andere heidnische Bräuche ab und zerschlägt damit die Grundlagen des Heidentums im Osten - und damit auch die bei vielen antiken Sportwettkämpfen geübte Praxis, diese nackt auszutragen.  
um 400 Die Thermen des Römischen Reichs verkommen zu Stätten sexueller Ausschweifung.  
556 Die Badekultur in Rom ging zugrunde, allein schon wegen des Wassermangels, der durch die Zerstörung der Aquädukte durch nach Italien eindringende Völker auftrat.  
um 600 Augustinus schreibt seine "Bekenntnisse", die Geschichte seiner sündigen Vergangenheit und der Läuterung zum gläubigen Gottesdiener.
um 1000 Schauspielgruppen und fahrende Sänger ziehen durchs Land. Sie bringen Nachrichten aus fernen Gebieten und unterhalten die Bevölkerung mit Mysterienspielen. Dabei geht es manchmal locker zu, eine freie Brust oder ein freier Oberkörper sorgen für seltene Reize und fordern die Kirche zu verdammenden Predigten, die Obrigkeit zu Verboten heraus.  
um 1100 Die christlichen Kreuzritter zeichnen sich nach siegreichen Schlachten durch massive Vergewaltigungs-Orgien an sarazenischen Frauen aus. Hierbei übetreffen sie bei weitem die bei umgekehrten Siegverhältnissen eher zurückhaltenden Muselmanen.  
um 1200 Die Kreuzritter bringen aus dem Morgenland die Praxis der Dampfbäder und Badehäuser wieder nach Mitteleuropa zurück. Die Nutzung erfolgt streng nach Geschlechtern getrennt. Kinder bis 6 Jahren (auch Jungen) (das ist ja unerhört!) dürfen in die Frauenbäder mitgenommen werden.  
1206 Franz von Assisi entkleidete sich während eines Gerichtsverfahrens auf dem Domplatz von Assisi vollständig, um damit seinen Verzicht auf alle irdischen Güter zu untermauern. Er sagte sich damit auch von seinem Vater, einem wohlhabenden Kaufmann, los, und verschrieb sich ganz den himmlischen Werten.
1228 Franziskus (Franz von Assisi) wird heilig gesprochen.
um 1250 Die Pflicht der Tugend und Sittlichkeit wird aufgrund fortwährender Predigten in der Kirche immer mehr den Frauen auferlegt.  
um 1250

Die Inquisition beginnt. Untersuchungsverfahren mit rechtlich sehr fragwürdigem Hintergrund haben Verurteilungen, meist Todesurteile, ohne gesetzliche Legitimation allein auf glaubens- und ideologie-basierter Willkür zur Folge. Das Ende der Inquisition wird mit ca. 1850 angegeben.

 
um 1400 Die mittelalterlichen Badstuben werden nur noch in geringem Maße als solche genutzt, die meisten Häuser dieser Art sind gleichzeitig Bordelle.
um 1450 In der Zeit von 1450 bis 1750 dauerte in Mitteleuropa das Zeitalter der Hexenverfolgung. Hexen wurde vorgeworfen, mit dem Teufel im Bunde zu sein und allerlei Schlechtes für ihre Mitmenschen zu bewirken. In der Regel wurden sie einer Folter und entwürdigenden "Hexenproben" unterzogen und oft nackt auf dem Scheiterhaufen verbrannt.  
um 1450 Das Baden in Flüssen, Seen und auch im Meer findet verbreitet nackt statt. Erst rund 100 Jahre später ergehen die ersten Nacktbadeverbote in Flüssen, zumindest innerhalb von Städten wie Frankfurt oder Paris. Sie blieben jahrhundertelang praktisch ohne Wirkung.  
1492 Columbus erreicht in der Karibik die "Westindischen Inseln" und trifft auf die ersten Indianer-Stämme, die (fast) kleiderfrei leben und Naturreligionen folgen.  
1532

Der indianische Stamm der Yanomami wird im heutigen Brasilien entdeckt. Die Kleidung der Yanomami-Männer besteht aus einer Schnur, die um die Hüften gebunden und mit der der Penis an der Vorhaut hochgebunden wird. Bei festlichen Anlässen tragen sie an den Schultern und Oberarmen prächtigen Federschmuck. Die Frauen sind nackt und tragen eine Schnur um die Taille, die zum Befestigen von verschiedenen kleinen Gegenständen dient.

 
1565 Die Soldaten des spanischen Eroberers Pizarro brechen nach dem Sieg über König Atahualpa die in der Inka-Kultur fest verankerte Regel, nach Geschlechtern getrennt zu baden, mischen sich nackt unter fast 100 badende Inka-Frauen und vergewaltigen alle. So dokumentieren sie die Überlegenheit der "zivilisisierten Christenvölker" über die "nackten Wilden".  
1601 Maria von Medici bringt als Königin Frankreichs in Anwesenheit der wichtigsten Vertreter des französichen Adels den Thronfolger Ludwig zur Welt - nachdem die erste Niederkunft der französischen Königin zwecks Beweis der rechtmäßigen Trohnfolgerschaft öffentlich zu erfolgen hatte.  
um 1650 Obwohl die "Brouche" als Unterhose für Männer schon seit dem frühen Mittelalter üblich war, wurde erst um 1650 die Unterhose für Frauen erfunden - bis dahin trugen Frauen nur Unterröcke, und dies auch z. T. weit bis ins 20. Jahrhundert hinein. Meine eigene Erinnerung reicht in die 1950er Jahre zurück, als Marktfrauen noch hinter ihrem Stand zur Gosse gingen und ohne sich die Röcke zu lüpfen durch die Unterröcke in die Gosse urinierten. Das ging natürlich nur ohne Unterhose.  
um 1750 Der Engländer Benjamin Beale aus Kent erfand den "Badewagen", mit dem Damen ins offene Wasser gefahren werden, um sich dort - geschützt vor fremden Blicken - über eine Treppe ins Wasser begeben zu können. Die Wagen blieben örtlich bis ca. 1930 in Gebrauch.  
1775 Nachdem Johann Wolfgang Goethe die beiden jungen Grafen zu Stollberg, seine damaligen Reisebegleiter, in einem Weiher bei Darmstadt zum Nacktbaden begleitete, ging er selbst mit ihnen zusammen im Vierwaldstätter See nackt baden. Während 100 Jahre zuvor nackte Badepraxis in der Schweiz noch gang und gäbe und akzeptiert war, erzeugte sie jetzt jedoch massive Kritik.  
1777 Um dem verbreiteten Nacktbaden Einhalt zu gebieten, wurde die erste Freibadeanstalt in Mannheim eröffnet. Unter Kontrolle der Badeaufsicht konnte hier schickliche Ganzkörper-Bekleidung beim Baden erzwungen werden.  
1887 Fidus, mit bürgerlichem Namen Hugo Höppener, verlässt die Vorschule der Münchner Akademie und schließt sich als Schüler dem Maler und Naturapostel Karl Wilhelm Diefenbach (1851-1913) an. Beide setzten sich intensiv ein für ein Leben im Einklang mit der Natur, die Abkehr von jedweder Religion, Bewegung an der frischen Luft und die Ausübung der Freikörperkultur sowie eine fleischlose Ernährung.
1892 Heinrich Pudor veröffentlicht sein Buch "Nackende Menschen - Jauchzen der Zukunft", die erste naturistische Publikation in Deutschland.  
1893 In Essen wird der erste FKK-Verein der Welt gegründet.  
1906 Richard Ungewitter veröffentlicht das Buch "Die Nacktheit", in dem er die zentralen Ansätze und Forderungen der erwachenden "Nacktkultur" formulierte.
1907 Das Strandbad Wannsee in Berlin wurde als eines der ersten Familienbäder eröffnet. Die vorgeschriebene Badebekleidung musste allerdings Schultern und Knie bedecken.  
1908 Richard Ungewitter veröffentlicht das Buch "Nackt", in dem er die Reaktionen der Öffentlichkeit auf sein 1906 veröffentlichetes Buch "Die Nacktheit" reflektiert und neue Erfahrungen und Forderungen einbringt. Hier berichtet er auch von seinen Nacktwanderungen im Schwarzwald.
1910 Die Odenwaldschule entstand in engem Zusammenhang mit der reformpädagogischen Bewegung zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Gegründet wurde sie am 14. April 1910. Zu der Zeit gab es nur 14 Schüler, die alle im Goethehaus untergebracht waren. Ihr Konzept war anfänglich geprägt durch die Grundsätze der Arbeitsschule, beispielsweise in der Einführung eines Kurssystems und dem Verzicht auf Jahrgangsklassen. Zu den weiteren Merkmalen des pädagogischen Konzepts der Schule gehörte - lange vor dem Aufkommen der antiautoritären Erziehung - das Duzen der Lehrer. Im Sportunterricht turnten Jungen und Mädchen bis zu einem gewissen Alter gemeinsam nackt. Die Odenwaldschule ist heute eine Integrierte Gesamtschule und bietet 250 Internatsplätze. Prominente Ehemalige sind Daniel Cohn-Bendit, Wolfgang Hildesheimer, Klaus Mann, Wolfgang Porsche, Beate Uhse und Andreas von Weizsäcker.  
1913 Auf dem Hohen Meißner (höchster Berg in Nordosthessen) versammelt sich die Freideutsche Jugend zusammen mit Abordnungen der Wandervogel-Bünde am 12. Oktober zum 1. "Freideutschen Jugendtag" als Gegenveranstaltung zu den 100-Jahr-Feiern zur Völkerschlacht bei Leipzig.. Fidus' "Lichtgebet" wird als Postkarte unter den Teilnehmern verteilt. Den Abschluss bildet die "Meißner-Erklärung".  
1919 Die 1919 gegründete Priory Gate School in England verfolgte das reformpädagogische Konzept mit Elementen einer naturistischen Pädagogik besonders konsequent. Jedes Kind bekam die umfassende Möglichkeit der Selbstentfaltung. Theodore J. Faithfull, Gründer und Leiter der Schule, sah in diesem individualistischen Konzept eine Alternative zu etablierten Schulen, die seiner Ansicht nach auf eine zu starke Anpassung der Schüler hinarbeiteten. Zum Konzept dieser Internatsschule gehörte die Nacktheit beim Sport, beim (Sonnen-)baden sowie beispielsweise beim Zeichenunterricht. Sitz der Schule war zunächst Sudbury (Suffolk), später siedelte sie nach Walsham Hall in Walsham-le-Willows, nahe Bury St. Edmunds über.  
1920 Mit "Nacktheit und Kultur" sowie "Nacktheit und Aufstieg" beschreitet Ungewitter die Assimilierung nationalsozialistischer Denkweisen und Ideale und ist damit für die Freikörperkultur suspekt.
1924 Adolf Koch gründet als Turnlehrer in Berlin die erste Nackt-Leibeserziehung und nachfolgend deutschlandweit weitere 12 Einrichtungen dieser Art.  
1927 Einen ähnlichen Ansatz wie die Priory Gate School 1919 verfolgte die 1927 von Alexander Sutherland Neill gegründete Schule Summerhill. Auch in dieser ersten "demokratischen Schule" hatte der Nacktsport einen festen Platz, war jedoch ebenso freiwillig wie der Unterricht selbst.  
1927 Bertrand Russell gründet zusammen mit seiner Frau Dora Black die libertäre experimentelle Beacon Hill School, in der Schüler gleichberechtigt mit Lehrern im Schulparlament die Schulpraxis bestimmten. Zur Schulpraxis gehörte auch die gemeinsame nackte Leibeserziehung von Jungen und Mädchen.  
1927 In Deutschland entstand ebenfalls 1927 das Lichtschulheim Lüneburger Land (LLL) in Glüsingen (Lüneburger Heide). Der Pädagoge Dr. Walter Fränzel verwirklichte damit seinen Plan, eine höhere Schule auf dem Lande zu gründen, in der er all seine Reformideen verwirklichen könnte. Für Sport, Spiel und Sonnenbad wurde ein waldumschlossenes Gelände in der Nähe dazugepachtet. Zum Konzept Fränzels gehörte unter anderem der ständige Aufenthalt "in gesundheitsfördernder Wald- und Heideluft", organische Verbindung von Leben und Unterricht, die freundschaftlich-kameradschaftliches Verhältnis von Lehrern und Schülern, außerdem die "Gewöhnung an Wind und Wetter besonders durch Nacktsein bei Gymnastik, Morgenlauf, Sport und Spiel im Sinne der Freikörperkultur". Die Schule wurde 1933 von den Nazis geschlossen  
1932 Der Zwickel-Erlass regelt die vorgeschriebene Badekleidung in deutschen Bädern. Er gilt als letzter unangemessener, staatlicher Eingriff in die persönliche Freiheit vor der Diktatur Hitlers.  
ab 1933 Wie alle Vereine wurden auch die FKK-Vereine verboten, wenn sie nicht nationalsozialistische Ziele in ihre Satzungen übernahmen. Fortan gingen naturistische Ziele einher mit den Bestrebungen zur "Rassenhygiene".  
1939 Der Soziologe Norbert Elias vollendet sein 2-bändiges Werk "Über den Prozess der Zivilisation", in dem er die Sozialgeschichte von Nacktheit, Scham und Schicklichkeit vom Altertum bis zur Neuzeit nachzeichnet. Er sah die Entwicklung von lockeren Sitten des Altertums bis zur Prüderie des 19. Jahrhunderst als eine zwangsläufige Begleitung des fortschreitenden Zivilisationsprozesses.
1942 Das Nacktbadeverbot in Deutschland wird per Reichsverfügung aufgehoben.  
1949 Der "Deutsche Verband für Freikörperkultur" (DFK) wird als Dachverband der FKK-Vereine in der BRD gegründet.  
1951 Hildegard Knef löst einen Skandal aus mit einer kurzen Nacktszene im Film "Die Sünderin", der allerdings auch aufgrund der Thematisierung von Prostitution und Freitod von der katholischen Kirche attackiert wurde. "Aus heutiger Sicht ist der Film eher langweilig, düster und problem-überfrachtet, und auch damals begeisterte er nicht durch seine Geschichte oder Qualität. Letztendlich verdankte er seinen Zulauf der Tatsache, dass man ihn für einen Skandal hielt. Die Vertreter der Kirchen machten mit ihrem moralisierend erhobenen Zeigefinger unfreiwillig Werbung für den Film, und je größer die Kreise der Aufregung wurden, desto mehr Menschen wollten den Film sehen."  
1953 Der DFK würdigt die Leistung Richard Ungewitters trotz dessen enger Bindungen zum Nationalsozialismus mit einer Ehrenmitgliedschaft.  
1960 Der Minirock erobert die Modeszene und beschert den konservativen Kreisen ein Skandälchen-Thema.  
1960 Karol Woytila (später Papst Johannes Paul II.) verfasst als Erzbischof und Professor für Katholische Sozialethik sein bis heute aktuelles Fundamentalwerk "Liebe und Verantwortung", in dem er die Bewertung der menschlichen Nacktheit durch die katholische Kirche formulierte: "Da der Mensch von Gott geschaffen ist, kann er nackt und unbedeckt bleiben und bewahrt doch seinen Glanz und seine Schönheit."
1962 Oswalt Kolle erobert die Kinos der Welt mit seinen Aufklärungsfilmen, die die Ergebnisse der Kinsey-Studien einem breiten Publikum zugänglich machten.
ab 1965 Der Englische Garten in München wird rund um den Monopteros zum Treffpunkt für Hippies und FKK-Freunde, die damit erstmals einen öffentlichen Park zum nackten Sonnenbaden nutzten. Das Beispiel hat in vielen anderen Großstädten Schule gemacht, so dass sich heute sommertags in zahlreichen städtischen Parkanlagen FKK-Zonen bilden.
1968 Die Jugendbewegung der 68er Generation schafft mit dem Schlachtruf "Make Love Not War", Hippie-Dörfern und antiautoritären Ansätzen das Klima für nackte Provokationen.  
ab 1970 Die "Flitzer" machen Schlagzeilen mit Nacktläufen in belebten Stadtzentren oder - besonders gern - bei Veranstaltungen wie Fußballspielen oder bei einer Parade zu Ehren der britischen Königin.  
um 1975 Nacktbaden ist als normal akzeptiert an zahllosen, geduldeten Nacktstränden und Badeseen.  
1988 Der Ethnologe Hans Peter Duerr veröffentlicht den ersten von 5 Bänden seiner Antwort auf Elias "Über den Prozess der Zivilisation" mit dem Titel "Nacktheit und Scham - der Mythos vom Zivilisationsprozess". Duerr widerlegt Elias in vielen Punkten und kommt zu dem gegenteiligen Schluss, dass die Schamhaftigkeit der Menschen vom antiken Griechenland bis zum 19. Jahrhundert stets gleich geblieben ist. Die gegenwärtig sinkende Schamschwelle setze einen sehr hohen Zivilisationsgrad voraus.
1998 Der Freiburger Soziologe Dr. Peter Niehenke beginnt seinen aktiven Feldzug gegen die Nacktfeindlichkeit unserer Gesellschaft. Seine nackten Joggingläufe regen zunächst nur die Freiburger Mitbürger auf, doch erreicht Niehenke schnell bundesweite Aufmerksamkeit. Seine Botschaften "Die Perversion der Scham" u.a.m. klagen die "groteske Verdrehung unserer Werte" an, aber die breite Zustimmung erreicht er mit seinen Auftritten nicht überall.
2000 Das OLG Karlsruhe verurteilt den "Nacktjogger von Freiburg" Dr. Peter Niehenke wegen Belästigung der Allgemeinheit. Niehenke war im Freiburger Stadtgebiet nackt joggen. Qualifizierte Juristen merkten alsbald zu dem Urteil an, dass ein ähnliches Urteil fortan undenkbar sei, da das Verfahren sehr erheblich von der Person des vorsitzenden Richters geprägt worden und diese Prägung nicht nachvollziehbar und nicht rechtskonform sei.  
2001 In der deutschen FKK-Szene bildet sich eine Gruppe von Nacktwanderern. Ziel ist es, auf abgelegenen und wenig freuquentierten Wanderwegen nackt durch die Natur zu wandern. Von Niehenke hebt man sich deutlich ab, indem bewusst auf jede Provokation verzichtet wird. Das OLG-Urteil von Karlsruhe, das nackte Aktionen innerhalb geschlossener Ortschaften betraf, wird nicht berührt, weil konsequent Wanderrouten in der freien Natur ausgewählt werden. Die Initiative "Nacktwandergruppe Siegerland" wird von einem Siegerländer Pfarrer ins Leben gerufen.  
2004 Im Rothaargebirge findet die erste nackte Pfingstwanderung statt. Sie wird in den Folgejahren zu einer Institution werden.  
2005

In Frankreich wird der eingetragene Verein APNEL gegründet, dessen Ziel die Entkriminalisierung von Nacktheit im öffentlichen Raum ist. Die französiche Rechtsprechung kennt nur den Straftatbestand "Sexuelle Handlung in der Öffentlichkeit" und ordnet harmloses Nacktwandern unter diesem Delikt ein - eine unentschuldbare Fehlleistung der französischen Justiz. Der französische Gesetzgeber schläft allerdings nach wie vor.

2008 Nacktwanderer in Deutschland verursachen breites Medieninteresse, Rundfunk, Presse und Fernsehen berichten mehrfach. Im Harz wird der erste deutsche Nacktwanderweg geplant. Nacktwandern im Sauerland
2009 Die Pfingstwanderung im Rothaargebirge wird zum 6. Mal am Pfingstsonntag durchgeführt. 52 Nacktwanderer und -wanderinnen zwischen 8 und 72 Jahren nehmen daran teil.
2009 Eine französische Wandergruppe mit 62 Teilnehmern führt im Süden Frankreichs eine Nacktwanderung mit der bisher stärksten Beteiligung durch.  
2010 Im Harz wird nahe der Staumauer der Wipper-Talsperre der erste Nacktwanderweg, der »Naturistenstieg«, eröffnet. Lokale Presse und die dpa sind vertreten. Ihre Bilder, auf denen Horst das Absperrband durchschneidet, gehen um die Welt.
2011 Genau 10 Jahre nach der ersten Nacktwanderung im Siegerland ist Filmautor Christian Dassel mit seinem Team dabei, um 25 Naturisten bei ihrer Siegerland-Wanderung zwischen Forsthaus Hohenrodt und der Obernau-Talsperre zu begleiten. Er dreht für die Serie "Wir in NRW" die Folge "Das Siegerland".
bis heute Nacktwanderungen und -radeltouren im Münsterland, in Thüringen, in der Sächsischen Schweiz, in der Lüneburger Heide, im Sauerland, im Rothaargebirge, im Westerwald, im Pfälzer Wald, in der Rhön, am Vogelsberg, im Teutoburger Wald und vielen anderen Gebieten sorgen für eine weitere Verbreitung der Idee des naturistischen Wanderns - und teils für heiße lokale Diskussionen. Fernsehen, Hörfunk und die Presse berichten mehrfach. Alfons, der humoristische Franzose, macht das Nacktwandern zum Thema eines seiner Puschel-TV-Beiträge.

 

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